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Blasenkrebs

Blasenkrebs verstehen: Von ersten Symptomen bis zur Behandlung

Was ist Blasenkrebs?

Blasenkrebs, medizinisch auch Harnblasenkarzinom genannt, entsteht meist aus Zellen der inneren Auskleidung der Harnblase. Diese Schleimhaut heißt Urothel. Die häufigste Form des Blasenkrebses wird daher als urotheliales Karzinom bezeichnet.3,4,7,9


Die Harnblase speichert den in den Nieren gebildeten Urin, bevor dieser über die Harnröhre ausgeschieden wird. Mit dem Urin werden auch Abbauprodukte und mögliche Schadstoffe ausgeschieden. Ein längerfristiger Kontakt der Blasenschleimhaut mit bestimmten krebserregenden Stoffen kann zur Entstehung eines Tumors beitragen.3,4,7,8


Blasenkrebs ist keine einheitliche Erkrankung. Für die weitere Einordnung ist vor allem entscheidend, wie tief ein Tumor in die Blasenwand eingewachsen ist. Diese Information beeinflusst die Behandlungsmöglichkeiten, die Nachsorge und den weiteren Versorgungspfad.3,10,11

Wie häufig ist Blasenkrebs?

Blasenkrebs global
Blasenkrebs global

Blasenkrebs zählt weltweit zu den häufigeren Krebserkrankungen. Nach Schätzungen der International Agency for Research on Cancer wurden im Jahr 2022 weltweit rund 614.000 Neuerkrankungen und etwa 221.000 Todesfälle durch Blasenkrebs verzeichnet.2

Blasenkrebs osterreich
Blasenkrebs osterreich

In Österreich wurden 2024 1.384 Neuerkrankungen an bösartigen Tumoren der Harnblase registriert. Davon betrafen 1.048 Fälle Männer und 336 Fälle Frauen. Im selben Jahr wurden 530 Sterbefälle aufgrund von Harnblasenkrebs dokumentiert.1

Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen. Das Erkrankungsrisiko steigt mit zunehmendem Alter; Blasenkrebs wird überwiegend im höheren Lebensalter diagnostiziert.1,3,4,9



Blasenkrebs pravention
Blasenkrebs pravention

Risikofaktoren und Prävention

Blasenkrebs hat meist keine einzelne Ursache. Verschiedene Faktoren können das Erkrankungsrisiko erhöhen. Der wichtigste beeinflussbare Risikofaktor ist Tabakrauchen.3–5,7–9


Krebserregende Bestandteile des Tabakrauchs gelangen über das Blut in die Nieren und werden mit dem Urin ausgeschieden. Dadurch können sie über längere Zeit mit der Blasenschleimhaut in Kontakt kommen.3,4,7–9


Weitere Faktoren, die mit einem erhöhten Risiko verbunden sein können, sind:

  • Berufliche Expositionen: Der langfristige Kontakt mit bestimmten Chemikalien, insbesondere aromatischen Aminen, kann das Risiko erhöhen. Dies kann beispielsweise einzelne Tätigkeiten in der chemischen Industrie sowie in der Farb-, Gummi-, Leder-, Textil- oder Lackierindustrie betreffen.3–5,7,8
  • Höheres Lebensalter: Blasenkrebs wird häufiger im höheren Lebensalter festgestellt.1,3–5,9
  • Arsenbelastung: In Regionen mit einer erhöhten Arsenbelastung des Trinkwassers kann das Blasenkrebsrisiko erhöht sein.7,8
  • Frühere Behandlungen: Eine frühere Bestrahlung im Beckenbereich oder bestimmte medikamentöse Behandlungen können im Einzelfall relevant sein.5,7,8
  • Chronische Infektionen in bestimmten Weltregionen: Eine Infektion mit Schistosoma haematobium kann in Endemiegebieten mit einem erhöhten Risiko für bestimmte seltenere Formen von Blasenkrebs verbunden sein.7,9


Prävention: Nicht zu rauchen beziehungsweise mit dem Rauchen aufzuhören und berufliche Schutzmaßnahmen einzuhalten, kann dazu beitragen, vermeidbare Risiken zu verringern.3–5,7

Blut im Urin: ein wichtiges Warnzeichen

Das häufigste Warnzeichen für Blasenkrebs ist Blut im Urin, medizinisch Hämaturie genannt. Bei sichtbarem Blut im Urin – einer sogenannten Makrohämaturie – kann der Urin rosa, rot oder bräunlich verfärbt sein. Bei Blasenkrebs tritt eine Hämaturie häufig schmerzlos auf.3–5,7–9


Blut im Urin ist nicht immer mit bloßem Auge sichtbar. Bei einer Mikrohämaturie wird Blut erst durch eine Urinuntersuchung nachgewiesen. Blut im Urin ist jedoch kein Beweis für Blasenkrebs: Auch Harnwegsinfektionen, Harnsteine oder andere Erkrankungen des Harntrakts können mögliche Ursachen sein.5,7,8


Weitere mögliche Beschwerden sind:

 

  • Harndrang: Häufiger oder plötzlich auftretender Harndrang
  • Beschwerden beim Wasserlassen: Brennen oder Schmerzen beim Wasserlassen
  • Blasenentleerung: Schwierigkeiten bei der Blasenentleerung
  • Infektähnliche Symptome: Wiederkehrende Beschwerden, die an eine Harnwegsinfektion erinnern
  • Schmerzen: Beschwerden im Unterbauch, Becken, Rücken oder in der Flanke

 

Diese Beschwerden sind unspezifisch und haben häufig auch andere Ursachen als Blasenkrebs. Sichtbares Blut im Urin oder länger anhaltende beziehungsweise wiederkehrende Beschwerden beim Wasserlassen sollten dennoch ärztlich abgeklärt werden.3–5,7–9


Wichtig: Blut im Urin sowie anhaltende oder wiederkehrende Beschwerden beim Wasserlassen sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.3–5,7–9


Für die Allgemeinbevölkerung gibt es derzeit kein etabliertes populationsbasiertes Screeningprogramm für Blasenkrebs. Deshalb sind das Bewusstsein für Warnzeichen und eine zeitgerechte urologische Abklärung besonders wichtig.3,7,10

Der Weg zur Diagnose

Bei Verdacht auf Blasenkrebs erfolgt die Abklärung in einer hausärztlichen oder urologischen Praxis beziehungsweise in einer urologischen Klinik. Zu Beginn stehen ein Gespräch über Beschwerden, frühere Erkrankungen, Tabakkonsum und mögliche berufliche Belastungen sowie eine körperliche Untersuchung.3–5,7


Je nach Situation können folgende Untersuchungen eingesetzt werden:

  • Urinuntersuchung: Sie kann Hinweise auf Blut, Entzündungszeichen oder auffällige Zellen im Urin liefern. Die Untersuchung von Zellen im Urin wird als Urinzytologie bezeichnet.3,4,7
  • Ultraschall: Eine Ultraschalluntersuchung kann helfen, Harnblase, Nieren und Harnwege zu beurteilen.3,5,7
  • Blasenspiegelung: Bei einer Zystoskopie wird die Blasenschleimhaut mit einem dünnen Instrument über die Harnröhre direkt betrachtet. Sie ist eine zentrale Untersuchung bei Verdacht auf einen Blasentumor.3–5,7,8
  • Bildgebende Verfahren: Je nach Fragestellung können weiterführende Untersuchungen wie eine Computertomographie oder Magnetresonanztomographie eingesetzt werden, um die Harnwege und eine mögliche Ausbreitung der Erkrankung zu beurteilen.4,10,11
  • Gewebeuntersuchung: Auffällige Veränderungen werden in der Regel über die Harnröhre entfernt oder es wird Gewebe entnommen. Dieser Eingriff heißt transurethrale Resektion eines Blasentumors, kurz TUR-B. Erst die Untersuchung des entnommenen Gewebes unter dem Mikroskop sichert die Diagnose. Sie zeigt unter anderem, um welche Tumorform es sich handelt und wie weit der Tumor in die Blasenwand eingewachsen ist.3,4,7,10

Formen und Behandlungsmöglichkeiten

Für die Behandlungsplanung ist vor allem entscheidend, wie tief ein Tumor in die Blasenwand eingewachsen ist und ob Lymphknoten oder andere Organe betroffen sind. Die Therapie wird individuell abgestimmt. Berücksichtigt werden neben dem Tumorstadium auch die Eigenschaften des Tumors, der allgemeine Gesundheits-zustand, die Organfunktion, Begleiterkrankungen und persönliche Präferenzen.3,4,7,10,11

Nicht-muskelinvasiver Blasenkrebs

Bei einem nicht-muskelinvasiven Blasenkrebs ist der Tumor auf die oberflächlichen Schichten der Blasenwand begrenzt. Dazu gehören oberflächliche papilläre Tumoren, Tumoren mit Einwachsen in die darunterliegende Bindegewebsschicht sowie das Carcinoma in situ, eine flache Schleimhaut-veränderung.3,7,9,10


In der Regel wird der sichtbare Tumor zunächst über die Harnröhre entfernt. Das entnommene Gewebe wird anschließend pathologisch untersucht.3,4,7,10


Abhängig vom individuellen Risiko für ein Wiederauftreten oder Fortschreiten können weitere lokale Behandlungen innerhalb der Harnblase erfolgen. Da nicht-muskelinvasive Tumoren wieder auftreten können, sind regelmäßige Kontrolluntersuchungen, insbesondere Blasenspiegelungen, ein wichtiger Teil der langfristigen Betreuung.3,4,7,10

Muskelinvasiver Blasenkrebs

Ein muskelinvasiver Blasenkrebs liegt vor, wenn der Tumor in die Muskulatur der Blasenwand eingewachsen ist. In dieser Situation ist das Risiko einer Ausbreitung außerhalb der Blase höher. Die Behandlung wird in der Regel interdisziplinär geplant, unter Einbindung von Fachpersonen aus Urologie, medizinischer Onkologie, Radioonkologie, Radiologie und Pathologie.4,7,11


Je nach individueller Erkrankungssituation können eine Operation, eine Strahlentherapie und Behandlungen, die im gesamten Körper wirken, Teil eines multimodalen Versorgungskonzepts sein. Wenn die Harnblase operativ entfernt wird, ist eine Harnableitung erforderlich. Dafür gibt es unterschiedliche Möglichkeiten, die gemeinsam mit dem Behandlungsteam besprochen werden.3,4,7,9,11

Lokal fortgeschrittener oder metastasierter Blasenkrebs

Bei einer lokal fortgeschrittenen Erkrankung kann der Tumor über die Harnblase hinaus in umliegendes Gewebe oder benachbarte Organe wachsen. Von einer metastasierten Erkrankung spricht man, wenn sich Krebszellen in weiter entfernte Körperbereiche ausgebreitet haben, beispielsweise in Lymphknoten, Knochen, Lunge oder Leber.7,9,11


In diesen Situationen können Behandlungen eingesetzt werden, die im gesamten Körper wirken. Welche Option im Einzelfall geeignet ist, hängt unter anderem vom Krankheitsverlauf, von früheren Behandlungen, der Organfunktion und dem allgemeinen Gesundheitszustand ab.3,4,7,11


Ergänzend können Maßnahmen zur Linderung von Beschwerden und zur Unterstützung im Alltag wichtig sein. Dazu zählen beispielsweise Schmerztherapie, Ernährungsberatung, Physiotherapie, psychoonkologische Unterstützung und palliativmedizinische Begleitung. Die Kontrolle der Erkrankung, die Linderung von Beschwerden und der Erhalt der Lebensqualität sind dabei wichtige Ziele der Versorgung.4,7–9,11

Nachsorge, Rehabilitation und Unterstützung

Nachsorgeuntersuchungen sollen ein mögliches Wiederauftreten oder Fortschreiten der Erkrankung früh erkennen und Folgen der Behandlung erfassen. Wie engmaschig die Kontrollen erfolgen, hängt vom Tumorstadium, dem individuellen Risiko und der bisherigen Behandlung ab. Beim nicht-muskelinvasiven Blasenkrebs sind regelmäßige Blasenspiegelungen besonders wichtig.3,4,7,10,11


Nach einer Behandlung können Themen wie Harnableitung, Nierenfunktion, körperliche Belastbarkeit, Ernährung, Sexualität, psychische Gesundheit oder die Rückkehr in den Beruf relevant werden.4,6–9


Eine medizinische beziehungsweise onkologische Rehabilitation kann helfen, körperliche, seelische und soziale Folgen der Erkrankung und Behandlung zu bewältigen. Sie kann ambulant oder stationär erfolgen und die Rückkehr in den Alltag und das Berufsleben unterstützen.6,7


Informationen zu Antragstellung und Angeboten bieten die Österreichische Gesundheitskasse und die Österreichische Krebshilfe. Die Planung erfolgt in der Regel gemeinsam mit dem Behandlungsteam oder dem Sozialdienst.6,7


Auch Krebsberatungsstellen, Selbsthilfegruppen und psychoonkologische Angebote können Betroffene und Angehörige unterstützen.3,7–9

Neue Entwicklungen in Diagnostik und Behandlung

Die Diagnostik und Versorgung von Blasenkrebs entwickeln sich fortlaufend weiter. Fortschritte in Bildgebung, Pathologie und molekularer Diagnostik helfen dabei, Tumoren genauer einzuordnen. Bei fortgeschrittenen Erkrankungen können bestimmte biologische Merkmale des Tumors, sogenannte Biomarker, im Einzelfall für die weitere Behandlungsplanung relevant sein.4,11


Unabhängig von diesen Entwicklungen bleiben die frühzeitige Abklärung von Warnzeichen, eine sorgfältige Diagnostik, eine individuell abgestimmte Versorgung und regelmäßige Nachsorge zentrale Bestandteile der Betreuung von Menschen mit Blasenkrebs.3–5,7,10,11

Referenzen:

  1. Statistik Austria. Krebserkrankungen. Wien: Statistik Austria; 2026. Daten zu Krebsinzidenz und Krebsmortalität nach Lokalisation, Harnblase, ICD-10 C67. Abrufbar unter: statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/gesundheit/krebserkrankungen. Letzter Zugriff: 28.08.2026.
  2. Ferlay J, Ervik M, Lam F, Laversanne M, Colombet M, Mery L, Piñeros M, Znaor A, Soerjomataram I, Bray F. Global Cancer Observatory: Cancer Today. Version 1.1. Lyon: International Agency for Research on Cancer; 2024. Datenbasis: GLOBOCAN 2022. Abrufbar unter: gco.iarc.who.int/today. Letzter Zugriff: 28.08.2026.
  3. Österreichische Gesellschaft für Urologie und Andrologie. Patientenratgeber: Harnblasenkarzinom. Wien: Österreichische Gesellschaft für Urologie und Andrologie. Abrufbar unter: uro.at/patienten-informationen/patienten-ratgeber/. Letzter Zugriff: 28.08.2026.
 Hinweis: Dort den Patientenratgeber „Harnblasenkarzinom“ auswählen.
  4. Medizinische Universität Wien, Universitätsklinik für Urologie. Blasenkrebs / Harnblasenkarzinom: Informationen für Patient:innen und Zuweiser:innen. Wien: Medizinische Universität Wien. Abrufbar unter: urologie.meduniwien.ac.at/informationen-fuer-patientinnen-und-zuweiserinnen/erkrankungen-behandlung/blasenkrebs/. Letzter Zugriff: 28.08.2026.
  5. Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz. Gesundheitsportal Österreich: Blasenkrebs. Wien: gesundheit.gv.at. Abrufbar unter: gesundheit.gv.at/krankheiten/krebs/weitere-krebsarten/blasenkrebs.html. Letzter Zugriff: 28.08.2026.
  6. Österreichische Gesundheitskasse. Medizinische Rehabilitation. Wien: Österreichische Gesundheitskasse. Abrufbar unter: gesundheitskasse.at/cdscontent/?contentid=10007.870386. Letzter Zugriff: 28.08.2026.
  7. Österreichische Krebshilfe. Blasenkrebs: Informationen für Betroffene und Angehörige. Wien: Österreichische Krebshilfe. Abrufbar unter: krebshilfe.net/information/krebsarten/blasenkrebs/. Letzter Zugriff: 28.08.2026.
  8. Krebsinformationsdienst des Deutschen Krebsforschungszentrums. Blasenkrebs: Symptome, Diagnose, Behandlung und Nachsorge. Heidelberg: Deutsches Krebsforschungszentrum. Abrufbar unter: krebsinformationsdienst.de/blasenkrebs. Letzter Zugriff: 28.08.2026.
  9. Deutsche Krebshilfe. Blasenkrebs: Informationen für Betroffene und Angehörige. Bonn: Deutsche Krebshilfe. Abrufbar unter: krebshilfe.de/informieren/ueber-krebs/krebsarten/blasenkrebs. Letzter Zugriff: 28.08.2026.
  10. Gontero P, Baard J, Birtle A, et al. EAU Guidelines on Non-muscle-invasive Bladder Cancer (TaT1 and CIS). Ausgabe März 2026. Arnhem: European Association of Urology; 2026. Abrufbar unter: uroweb.org/guidelines/non-muscle-invasive-bladder-cancer. Letzter Zugriff: 28.08.2026.
  11. European Association of Urology. EAU Guidelines on Muscle-invasive and Metastatic Bladder Cancer. Ausgabe März 2026. Arnhem: European Association of Urology; 2026. Abrufbar unter: uroweb.org/guidelines/muscle-invasive-and-metastatic-bladder-cancer. Letzter Zugriff: 28.08.2026.

AT-17545, 08/2026