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Prostatakrebs

Prostatakrebs

Prostatakrebs heute: Früh erkennen, gezielt behandeln, gut leben

Wie häufig ist Prostatakrebs?

Prostatakrebs gehört zu den häufigsten Krebserkrankungen bei Männern – gleichzeitig ist er heute in vielen Fällen gut behandelbar und bei früher Diagnose oft heilbar.1 Weltweit erkranken jedes Jahr etwa 1,5 Millionen Männer neu daran.Auch in Österreich wird die Diagnose häufig gestellt: Jährlich kommen etwa 8.152 Neuerkrankungen hinzu. Ende 2024 lebten 83.551 Männer in Österreich mit dieser Diagnose -damit ist Prostatakrebs die häufigste Krebsart bei Männern hierzulande.2

 

Dank moderner Früherkennung und wirksamer Therapieoptionen haben Männer mit Prostatakrebs gute Aussichten. In fortgeschrittenen Stadien kann die Erkrankung lebensbedrohlich verlaufen – weltweit sterben jährlich etwa 400.000 Männer an den Folgen, in Österreich rund 1.434.1,2

Was ist die Prostata – und warum entsteht dort so oft Krebs?

Die Prostata ist eine kleine Drüse, die zum männlichen Fortpflanzungssystem gehört. Sie liegt unterhalb der Blase und produziert ab der Pubertät einen Teil der Samenflüssigkeit sowie das sogenannte PSA (prostataspezifische Antigen). Diese Flüssigkeit schützt und ernährt die Spermien.3

 

Das Wachstum der Prostata wird stark vom männlichen Geschlechtshormon Testosteron beeinflusst. Mit zunehmendem Alter vergrößert sich die Drüse häufig – und genau dieser hormonabhängige Prozess kann aus dem Gleichgewicht geraten. Wenn die zelluläre Kontrolle versagt, können sich bösartige Tumorzellen entwickeln.3, 4

Zu den wichtigsten Risikofaktoren zählen5:

Das Risiko steigt deutlich ab dem 50. Lebensjahr
Das Risiko steigt deutlich ab dem 50. Lebensjahr

Alter

Das Risiko steigt deutlich ab dem 50. Lebensjahr

Prostata- oder Brustkrebs bei nahen Verwandten erhöht das eigene Risiko
Prostata- oder Brustkrebs bei nahen Verwandten erhöht das eigene Risiko

Familiäre Vorbelastung

Prostata- oder Brustkrebs bei nahen Verwandten erhöht das eigene Risiko

Männer mit dunklerer Hautfarbe sind häufiger betroffen
Männer mit dunklerer Hautfarbe sind häufiger betroffen

Ethnische
Faktoren

Männer mit dunklerer Hautfarbe sind häufiger betroffen

Übergewicht und Rauchen können das Risiko zusätzlich erhöhen
Übergewicht und Rauchen können das Risiko zusätzlich erhöhen

Lebensstil

Übergewicht und Rauchen können das Risiko zusätzlich erhöhen

Anstieg der Fallzahlen
Anstieg der Fallzahlen

Warum steigen die Erkrankungszahlen?

Die Zahl der Neuerkrankungen nimmt kontinuierlich zu. Gründe sind vor allem die alternde Bevölkerung und häufigere PSA-Tests zur Früherkennung. Bis 2035 wird in Österreich mit einem weiteren Anstieg der Neuerkrankungen gerechnet – gleichzeitig sinkt aber die Sterblichkeit, weil die Erkrankung immer besser erkannt und behandelt werden kann.6

 

Viele Männer werden heute in einem frühen Stadium diagnostiziert, in dem die Heilungschancen sehr gut sind. Dennoch entwickelt etwa jeder vierte bis dritte Patient im Laufe der Zeit eine fortgeschrittene (metastasierte) Erkrankung, und zwischen 10 und 20% haben bereits bei der Erstdiagnose Metastasen.7

Früherkennung
Früherkennung

Warum Früherkennung so wichtig ist?

Je früher Prostatakrebs entdeckt wird, desto einfacher lässt er sich behandeln. Wird der Tumor erkannt, solange er sich noch auf die Prostata beschränkt, sind die Heilungschancen sehr gut: Die meisten Männer in diesem Stadium leben auch fünf Jahre nach der Diagnose noch – die Überlebensrate liegt bei nahezu 100%. Aus diesem Grund lohnen sich regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen ganz besonders, vor allem ab dem 50. Lebensjahr oder früher, wenn Prostata- oder Brustkrebs in der Familie vorkommt.8-10

Doch auch in einem fortgeschrittenen oder metastasierten Stadium hat die Medizin in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht: Moderne Hormontherapien, zielgerichtete Medikamente, und Präzisionsmedizin ermöglichen es heute, die Erkrankung oft über viele Jahre erfolgreich zu kontrollieren. Viele Männer führen trotz fortgeschrittenem Stadium ein aktives Leben mit guter Lebensqualität – und die Therapiemöglichkeiten werden stetig besser.

Prostatakrebs Prognose
Prostatakrebs Prognose

Wie wird Prostatakrebs behandelt?

Prostatakrebs ist hormonempfindlich – er wächst unter dem Einfluss von männlichen Geschlechtshormonen (Androgenen). Deshalb ist die Kontrolle des Hormonspiegels ein zentraler Baustein der Therapieoptionen.

Je nach Stadium und Risiko kommen unterschiedliche Behandlungen zum Einsatz:4, 11

  • Lokale Therapien: Operative Maßnahmen oder Bestrahlung
  • Systemische Therapien: Medikamente, die im ganzen Körper wirken – etwa Hormontherapien, Chemotherapie oder zielgerichtete Therapien.
  • Kombinationstherapien: Oft werden mehrere Ansätze gemeinsam eingesetzt, um die Wirkung zu verstärken.
Im Verlauf kann es passieren, dass der Tumor resistent wird, also nicht mehr auf bestimmte Therapien anspricht. Dann müssen andere Behandlungsstrategien gewählt werden. Bei manchen Patienten spricht der Prostatakrebs nach einer gewissen Zeit nicht mehr auf die Hormontherapie an – das heißt, er wächst weiter, obwohl der Testosteronspiegel im Körper stark gesenkt wurde. Für dieses Stadium gibt es in der Medizin mehrere Bezeichnungen, die im Grunde das Gleiche bedeuten: hormonrefraktär, kastrationsresistent oder androgensignalwegmodulator-resistent (APMR).

Metastasierter Prostatakrebs: Was bedeutet das?

Ein gewisser Anteil der Männer haben bei der Diagnose bereits Metastasen. Das bedeutet, dass sich Krebszellen aus der Prostata gelöst und in andere Bereiche des Körpers ausgebreitet haben. Beim Prostatakrebs siedeln sich Metastasen besonders häufig in den Knochen, seltener auch in Lymphknoten, der Leber oder der Lunge an. Auch wenn eine metastasierte Erkrankung nach heutigem Wissen in der Regel nicht heilbar ist, bedeutet das keineswegs, dass keine Behandlung mehr möglich wäre. Moderne Therapien können die Erkrankung oft über Jahre hinweg erfolgreich kontrollieren und ermöglichen ein Leben mit guter Lebensqualität.11

 

Ärztinnen und Ärzte unterscheiden beim metastasierten Prostatakrebs zwei wichtige Phasen, die sich vor allem darin unterscheiden, wie gut der Tumor auf eine Hormontherapie anspricht:

 

  • Hormonempfindliche Phase: In dieser Phase reagiert der Tumor noch gut auf einen Hormonentzug. In der Fachsprache spricht man vom metastasierten hormonsensitiven Prostatakarzinom (mHSPC) oder vom metastasierten androgensignalwegmodulator-sensitiven Prostatakarzinom (mAPMS). Mit modernen Kombinationstherapien lässt sich die Erkrankung in dieser Phase oft über viele Jahre stabil halten.12, 13
  • Hormonunempfindliche Phase: Nach einiger Zeit kann der Krebs unempfindlich gegenüber der Hormontherapie werden und trotz Behandlung weiterwachsen. Fachlich spricht man dann vom metastasierten kastrationsresistenten Prostatakarzinom (mCRPC) oder vom metastasierten androgensignalwegmodulator-resistenten Prostatakarzinom (mAPMR). Wie schnell dieser Übergang erfolgt, ist von Mann zu Mann sehr unterschiedlich. Auch in dieser Phase stehen heute wirksame Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung.13, 14

Ein zentrales Ziel moderner Therapien im metastasierten Stadium ist es, den Übergang von der hormonempfindlichen in die hormonunempfindliche Phase möglichst lange hinauszuzögern und den Patienten dabei so viel Lebensqualität und Normalität im Alltag wie möglich zu erhalten. Erreicht wird dies unter anderem durch Kombinationen aus Hormontherapie, zielgerichteten Medikamenten und Chemotherapie, die individuell auf den einzelnen Patienten abgestimmt werden.13, 14

Biomarker: Der Schlüssel zur individuellen Therapie

Prostatakrebs ist biologisch sehr vielfältig. Bestimmte genetische Veränderungen in den Krebszellen entscheiden darüber, wie aggressiv ein Tumor wächst und welche Therapie am besten wirkt. Solche messbaren Merkmale nennt man Biomarker. Sie helfen der Ärztin oder dem Arzt, die Behandlung gezielt auf den einzelnen Patienten abzustimmen.

 

Einige Biomarker weisen darauf hin, dass ein Tumor eher aggressiv verlaufen könnte – gleichzeitig eröffnen sie oft gezielte Behandlungsmöglichkeiten. Wichtige Beispiele sind:15, 16

 

  • HRR-Mutationen (insbesondere BRCA): Diese Veränderungen betreffen die DNA-Reparatur der Krebszellen und kommen bei bis zu 30% der Männer mit fortgeschrittenem Prostatakrebs vor. Sie sind besonders relevant, weil Tumoren mit solchen Mutationen sehr gut auf zielgerichtete Therapien wie PARP-Inhibitoren ansprechen.
  • PTEN-Verlust: Der Verlust dieses ‚Schutzgens‘ findet sich bei über 50% der fortgeschrittenen Fälle und kann mit einem rascheren Krankheitsverlauf einhergehen.
  • Triple-Muster (PTEN-Verlust + Rb-Mutation + TP53-Mutation): Das gleichzeitige Auftreten dieser drei Veränderungen kennzeichnet besonders aggressive Tumore, für die intensivere Therapiestrategien erforderlich sein können.

Neben genetischen Markern liefern auch moderne Bildgebungsverfahren wertvolle Informationen: Das PSMA-PET – eine spezielle Untersuchung, bei der Prostatakrebszellen im ganzen Körper sichtbar gemacht werden – zeigt sehr genau, wo und wie aktiv der Tumor ist.17 Ergänzend bleibt der PSA-Wert im Blut ein bewährter Verlaufsmarker, mit dem sich der Therapieerfolg regelmäßig überprüfen lässt.18

Ein Blick in die Zukunft

Die Behandlung des Prostatakarzinoms entwickelt sich rasant weiter. Durch genetische Untersuchungen (sowohl der Tumorzellen als auch des vererbten Erbguts) lässt sich immer präziser vorhersagen, welche Therapie für welchen Patienten am besten geeignet ist. Familiäre Erbanlagen zu kennen ist doppelt wichtig: Sie beeinflussen die Therapieauswahl und helfen, das Krebsrisiko naher Verwandter einzuschätzen.

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Abkürzungsverzeichnis:


BRCA, Breast Cancer Gen; DNA, Desoxyribonukleinsäure; HRR, homologous recombination repair; mAPMR, metastasiertes Androgensignalwegmodulator-resistentes Prostatakarzinom; mAPMS, metastasiertes Androgensignalwegmodulator-sensitives Prostatakarzinom; mCRPC, metastasiertes kastrationsresistentes Prostatakarzinom; mHSPC, metastasiertes hormonsensitives Prostatakarzinom; PARP, Poly(ADP-ribose)-Polymerase; PSA, prostate-specific antigen; PSMA-PET, Prostate-specific membrane antigen Positronenemissionstomographie; PTEN, phosphatase and tensin homolog; RB, Retinoblastom; TP53, Tumor Protein 53

 

Referenzen:

 

  1. Statistik Austria, Krebserkrankungen (2026), abrufbar unter: https://www.statistik.at/statistiken/bevoelkerung-und-soziales/gesundheit/krebserkrankungen, letzter Zugriff: 20.02.2026
  2. Ferlay J, Ervik M, Lam F, Laversanne M, Colombet M, Mery L, Piñeros M, Znaor A, Soerjomataram I, Bray F (2024). Global Cancer Observatory: Cancer Today (version 1.1). Lyon, France: International Agency for Research on Cancer. Verfügbar unter: https://gco.iarc.who.int/today, letzter Zugriff: 20.02.2026
  3. Patienteninformationen Prostatavergrößerung, Österreichische Gesellschaft für Urologie und Andrologie, abrufbar unter: https://www.uro.at/patienten-informationen/patienten-ratgeber/56-prostatavergroesserung.html, letzter Zugriff: 10.08.2026
  4. Patienteninformationen Prostatakarzinom, Österreichische Gesellschaft für Urologie und Andrologie, abrufbar unter: https://www.uro.at/patienten-informationen/patienten-ratgeber/55-prostatakarzinom.html, letzter Zugriff: 10.08.2026
  5. Universitätsklinik für Urologie, Informationen für Patient:innen und Zuweiser:innen, Erkrankungen & Behandlung, Prostatakrebs, Ursachen, abrufbar unter: https://urologie.meduniwien.ac.at/informationen-fuer-patientinnen-und-zuweiserinnen/erkrankungen-behandlung/prostatakrebs/ursachen/, letzter Zugriff: 10.08.2026
  6. Pohl P. et al. Statistik Austria. 2025 Okt; Prognose der Krebsinzidenz, Krebsprävalenz und Krebsmortalität bis 2045, abrufbar unter: https://www.statistik.at/fileadmin/publications/Bericht_Krebsprognose_2025.pdf
  7. Helios Gesundheitsmagazin, Prostatakrebs, Lebenserwartung und Heilungschancen bei Prostatakrebs (27.05.2026), abrufbar unter: https://www.helios-gesundheit.de/magazin/news/01/prostatakrebs-lebenserwartung/, letzter Zugriff: 10.08.2026
  8. Österreichische Gesundheitskasse, Früherkennung von Prostatakrebs, abrufbar unter: https://www.oegk.at/cdscontent/?contentid=10007.896675&portal=oegkportal, letzter Zugriff: 10.08.2026
  9. Gesundheitscheck Prostatakrebs Früherkennung, abrufbar unter: https://www.vorsorgeuntersuchung.at/gesundheits-check/prostatakrebs-frueherkennung/, letzter Zugriff: 10.08.2026
  10. Öffentliches Gesundheitsportal Österreichs, Prostatakrebs: Früherkennung, abrufbar unter: https://www.gesundheit.gv.at/krankheiten/krebs/hoden-prostatakrebs/prostata-frueherkennung.html, letzter Zugriff: 10.08.2026
  11. Prostata Hilfe Deutschland, Knochenmetastasen bei Prostatakrebs – Symptome und Behandlungen, abrufbar unter: https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/knochenmetastasen-prostatakrebs, letzter Zugriff: 10.08.2026
  12. Klinischestudien.at, Hormonrefraktäres Prostatakarzinom – Grundlegende Informationen, abrufbar unter: https://klinischestudien.at/krankheit/hormonrefraktaeres-prostatakarzinom/hormonrefraktaeres-prostatakarzinom-grundlegende-informationen/, letzter Zugriff: 10.08.2026
  13. Leben mit Prostatakrebs, Fortgeschrittener Prostatakrebs, abrufbar unter: https://www.leben-mit-prostatakrebs.de/metastasierter-prostatakrebs, letzter Zugriff: 10.08.2026
  14. Prostata Hilfe Deutschland, Kastrationsresistenter Prostatakrebs – was hilft?, abrufbar unter: https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/kastrationsresistenter-prostatakrebs-behandlung, letzter Zugriff: 10.08.2026
  15. Hamid A.A. et al. Am Soc Clin Oncol Educ Book. 2023 May:43:e390166
  16. Shevrin D.H. Asian J Androl. 2016 Mar 29;18(4):586-891
  17. Prostata Hilfe Deutschland, PSMA-PET/CT bei Prostatakrebs – das steckt dahinter, abrufbar unter: https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/psma-pet-ct-prostatakrebs, letzter Zugriff: 10.08.2026
  18. PSA-Werte – so lesen Sie die Prostata-Werte richtig, abrufbar unter: https://www.prostata-hilfe-deutschland.de/prostata-news/psa-werte-prostata-frueherkennung-prostatakrebs, letzter Zugriff: 10.08.2026